Gesundheit ist mehr als Pharma

Für Anleger wird der Gesundheitsmarkt immer mehr zu einem interessanten Investitionsfeld. Denn er ist weniger konjunkturabhängig als andere Bereiche, was auch die letzten Monate noch einmal unterstrichen haben. Naheliegend für viele Investoren ist zu allererst ein Blick auf die Medikamentenentwicklung. Doch es gibt weitere Möglichkeiten, am strukturellen Wachstum des Gesundheitssektors zu partizipieren.

Der Pharmasektor ist mit einem Anteil von über 40 % das Schwergewicht im MSCI World Health Care Index, der die Entwicklung des Gesundheitssektors am globalen Kapitalmarkt darstellt. Dabei machen Forschungs- und Entwicklungsausgaben bzw. die daraus resultierenden verschreibungspflichtigen Medikamente nur ca. 20 % der Gesundheitsausgaben in entwickelten Ländern aus.

Als Investor im Gesundheitsmarkt ist es daher folgerichtig, sich auch die Unternehmen anzusehen, die an den übrigen 80 % des Marktes partizipieren. Häufig handelt es sich hierbei um Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen mit unelastischer Nachfrage. Bei der prognostizierten Alterung der Gesellschaft wird diese zu einem stetigen Marktwachstum führen.

Bedarf an ausgebildetem Fachpersonal

Zu den Dienstleistungen, die in diesen Bereich fallen, zählt die Vermittlung geschulten Personals. Der Gesundheitssektor ist einer der größten Arbeitgeber, nicht nur in Deutschland. Der Arbeitsmarkt befindet sich auch hier im ständigen Wandel. Geschultes Personal wird zu bestimmten Zeiten mehr und zu anderen Zeiten weniger benötigt. Um diese variierende Angebots- und Nachfragesituation bestmöglich zu bedienen, gibt es mit Dedicare und AMN Healthcare Services Unternehmen, die den Krankenhäusern oder ambulanten Dienstleistern für den Gesundheitssektor ausgebildetes Fachpersonal – ob Krankenschwester oder Arzt – zur Verfügung stellen.

Kapazitätssteigerungen bei Pflege und Betreuung

Der Bereich der Pflege und Betreuung ist gegenwärtig ein Thema von großem öffentlichen Interesse. Es steht außer Frage, dass Kapazitäten geschaffen werden müssen, um in Zukunft möglichst vielen Menschen, die sich nicht selber versorgen können oder keine Angehörigen haben, ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Unternehmen wie Korian, Orpea oder Amedisys operieren hier in einem Markt, der zu Recht stärker reguliert ist. Nichtsdestotrotz ist es möglich, auch in regulierten Märkten erfolgreich zu agieren und allen Interessenträgern gerecht zu werden.

Keine Zukunftsvision mehr: Bionik

Mithilfe von Bionik versucht die Medizintechnik, Beispiele aus der Natur zu kopieren und Patienten, die Gliedmaßen verloren haben ein normales Alltagsleben zu ermöglichen. Ossur entwickelt z.B. Hände oder Füße, deren künstliche Gelenke sich nahtlos in den natürlichen Bewegungsablauf des Menschen einfügen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz sind z.B. die Fußgelenke so gelenkt, dass sie das Risiko des Stolperns oder Hinfallens deutlich reduzieren.

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Symbiose von Technologie und Gesundheit

Eine weitere Möglichkeit, am strukturellen Wachstum des Gesundheitssektors zu partizipieren, bietet die voranschreitendeSymbiose von Gesundheit und Technologie. Diese wird es ermöglichen, mehr in Richtung Prävention zu agieren. Insbesondere Versicherer haben ein Interesse daran, ihre Kunden möglichst lange gesund zu halten. Dementsprechend stellen sie schon heute digitale Anwendungen zur Kontrolle und Prävention zur Verfügung, die von spezialisierten Gesundheitsunternehmen entwickelt wurden. Hierdurch werden in Zukunft auch gesunde Menschen inkludiert. Das bedeutet nicht nur, das der Markt dadurch nochmal ein ganzes Stück mehr wachsen wird, sondern dass auch seine Benennung endlich Sinn macht: Aus dem Krankheitenbehandlungsmarkt wird ein Gesundheitsmarkt.