Bionik: Da Vincis Vision erobert Medizintechnik

Bionik bezeichnet die Übertragung von Natur-Phänomenen auf die Technik. So versuchte schon vor mehr als 500 Jahren Leonardo da Vinci mit seinem Fluggerät den Flügelschlag von Vögeln nachzuahmen. Heute schickt sich die Medizin an, von der Natur zu lernen. Hier geht es vor allem um den künstlichen Ersatz von Gelenken oder Gliedmaßen. Das Thema ist hoch interessant, aber nicht ganz einfach investierbar.

Künstliche Gliedmaßen wie Hände oder Füße lassen sich heute in einem Ausmaß und mit einer Genauigkeit steuern, wie noch vor wenigen Jahren undenkbar. Das kann per App passieren, anhand von Muskelkontraktionen oder mit Gesten. Die verschiedenen Techniken nehmen oft  Funktionsweisen aus der Natur zum Vorbild. Dies basiert auf der Idee, dass natürliche Techniken über extrem lange Zeiträume durch „trial and error“ ausgereift sind. Beispielsweise ahmen Klettverschlüsse die Funktionsweise von Kletten nach. Die Übertragung von der Natur auf die Medizin
beziehungsweise Medizintechnik ist zwar um ein Vielfaches komplexer. Doch die Fortschritte sind hier gravierend. Schnelle Entwicklungen in der bionischen Technologie ermöglichen es Menschen mit Gliedmaßenverlust mittlerweile, über mehr körperliche Bewegungsfreiheit zu verfügen, als man bisher für möglich hielt. Für Anleger ergibt sich die Chance, die Symbiose von Technologie und Medizintechnik mitzugestalten und an ihr zu partizipieren. Bionische Technologien bauen auch auf Künstlicher Intelligenz auf. Dabei handelt es sich um einen Zweig der Informatik, der sich mit intelligentem Verhalten, Lernen und Anpassungen von Maschinen beschäftigt. Häufig fällt hier der Begriff „maschinelles Lernen“. Viele der neuesten Entwicklungen in der Prothesentechnik beruhen auf Fortschritten in der Bionik in Form von Mikroprozessoren, Sensoren, Batterie- und Neurotechnologie.

Intelligente Prothesen

Bei künstlichen Kniegelenken werden die Bewegungen des Benutzers so nahtlos erkannt und ermöglichen es ihm, sich auch auf schwierigem, unwegsamem Terrain natürlich und mühelos zu bewegen. Was da mittlerweile möglich ist, lässt sich alle vier Jahre bei den Paralympics beobachten. Bemerkenswert ist auch ein Prothesenfuß mit motorisierter Knöchelbeugung. Er bildet weitgehend die Funktion des menschlichen Fußes nach und integriert eine Technologie, die dazu beiträgt, Stürze zu reduzieren. Ein Beispiel ist auch die Össur i-Limb® Hand, die erste multiartikulierende myoelektrische Hand, die mit Gesten gesteuert wird. Sie ermöglicht viele Griffarten und Handpositionen, um zum Beispiel eine Tastatur zu bedienen. Ihre Titan-Finger haben ein hohes Maß an Belastbarkeit, Griffigkeit und Geschwindigkeit. Es gibt einige spezialisierte Unternehmen, die intensiv in die Entwicklung bionischer Prothesen und verwandten Technologien investieren. Össur aus Island ist der größte spezialisierte und börsengelistete Anbieter von bionischer Technologie als Gliedmaßenersatz. Das Unternehmen ist vor allem auf den Feldern Prothetik sowie Stütz- und Haltetechnik tätig.

Kai Brüning

Senior Portfolio Manager Healthcare