Inflationsindexierte Anleihen

Was genau ist Inflation?

Inflation ist eine anhaltende und über eine bestimme Zeitspanne hinausgehende Erhöhung des Preisniveaus. Das entspricht einem anhaltenden Sinken der Kaufkraft des Geldes.

Gemessen wird die Inflation durch die Preisänderungsrate, wobei der Messung des Preisniveaus sog. Preisindizes zugrunde gelegt werden, z.B. der HVPI (harmonisierter Verbraucherpreis-Index). Er ist ein indexierter, bezogen auf ein Basisjahr gewichteter Durchschnittspreis eines Warenkorbs verschiedener Güter (Lebensmittel, Mieten, etc.). Es wird versucht, das Verbraucherverhalten typischer Haushalte abzubilden.

Inflationsindexierte Anleihen als Assetklasse

Inflation spielt eine Rolle für u.a. Rentenanleger, da deren Zahlungsströme durch Inflation vermindert werden können. Für Langfristinvestoren ist über die Gesamtlaufzeit der nominale Ertrag bekannt, nicht aber der reale (real = nominal abzüglich Inflation). Ziel ist es, eine sichere reale Verzinsung zu erzielen, da ansonsten Kaufkraftverluste den Lebensstandard vermindern. Inflationsindexierte Anleihen erhalten die Kaufkraft über die gesamte Laufzeit. Kennzeichen dieser Anleihen sind, dass die Kupons bzw. der Nennwert unter Berücksichtigung der Inflationsrate erst ex post ermittelt wird. Inflationsgeschützte Anleihen weisen im Vergleich zu traditionellen Staatsanleihen einen niedrigeren Zinssatz auf den Nominalwert auf. Dieser steigt aber tendenziell mit den steigenden Verbraucherpreisen.

Vorteile von inflationsindexierten Anleihen:

  • Eine Investition in eine inflationsindexierte Anleihe lohnt sich grundsätzlich immer dann, wenn die tatsächliche Inflation den Break-Even-Inflationswert übersteigt bzw. zunimmt.
  • Die Korrelation zu anderen Assetklassen ist geringer, die Schwankungsbreite des Fonds wäre somit geringer.
  • Der Kaufkraftverlust wird vermieden, da Kuponzahlungen an die Veränderungen der Verbraucherpreise angepasst werden.
  • Für Vorsorgeleistungen (z.B. Rentenzahlungen), die an Inflation- oder Lohnentwicklungen gekoppelt sind, können Investitionen in inflationsindexierte Anleihen durchaus sinnvoll sein.

Nachteile von inflationsindexierten Anleihen

  • Eine Investition in eine inflationsindexierte Anleihe ist dann nachteilig, wenn die Realzinsen steigen, denn diese sind der Hauptpreisbestimmungsfaktor dieser Anleihen.
  • In Phasen einer Deflation sind nur wenige inflationsindexierte Anleihen in Europa mit einer Nominalwertuntergrenze von 100 % geschützt.
  • Die Vorhersage für den harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI in der Euro-Zone (Gesamtindex ohne Tabak) ist relativ schwierig, da unterschiedliche Konjunkturentwicklungen in den Ländern den Index beeinflussen. Für die Fixierung des inflationsindexierte-Anleihe-Kupons wird die historische Inflationsrate (nicht die erwartete) herangezogen.     
  • Die Beachtung des Emittenten-Risikos (Länderbonität) wird auch bei der Auswahl der inflationsindexierten Anleihen immer wichtiger.
  • Im Umfeld von steigenden Kurzfristzinsen fallen inflationsindexierte Anleihen weniger stark als klassische Anleihen. Eine Investition in variabel verzinsliche Anleihen (Floater) kann aber auch eine sinnvolle Alternative zu den inflationsindexierten Anleihen sein.